Spirituelles – Osterbotschaft von Abt Reinhold Dessl

Dankesansprache von Abt Reinhold

Abt Reinhold Dessl

Die Umarmung des Auferstandenen

Maria Magdalena steht vor dem Grab und weint. Als Jesus vor ihr steht, meint sie, es sei der Gärtner. Erst als Jesus ihren Namen ausspricht, da geht ihr ein inneres Licht auf und sie spricht Jesus als „Rabbuni“, als „Meister“ an. Er umarmt gleichsam ihr Inneres. Äußerlich kann sie ihn nicht mehr festhalten, denn er geht zu seinem und unserem Vater.

Der Auferstandene möchte auch heute uns Menschen in unserem Herzen ansprechen. Er ist gegenwärtig als innerste Mitte und Herz seiner Kirche, sonst würde es diese Kirche mit all ihren Grenzen und Sünden schon lange nicht mehr geben. Glaube und Zweifel, Angst und Hoffnung, Freude und Trauer sind nach wie vor Realitäten von uns Menschen und Christen und werden es bleiben. Und doch gibt es so etwas wie eine innere Umarmung, die uns in Ansätzen jetzt schon die Gegenwart des Auferstandenen erahnen lässt.

Manche Bilder und Statuen von Kreuzesdarstellungen sind so gestaltet, dass sich der Gekreuzigte vom Kreuz löst und mit seinen Armen Menschen umarmt, die vor ihm stehen oder vor ihm knien. Der hl. Franziskus oder auch unser Ordensvater, der hl. Bernhard von Clairvaux, werden gelegentlich so dargestellt. Damit wird eine österliche Erfahrung ausgedrückt, die nicht nur für große Heilige Geltung hat: Ostern ist das Fest der offenen und ausgestreckten Arme Gottes. Jesus, der den Weg des Leidens und Sterbens gegangen ist, streckt sich dem Menschen entgegen und sagt zu ihm: Du, Mensch, ich liebe dich. Ich kann mich hineindenken in dich und ich lasse dich auf deinem Weg nicht allein.

In diesem Sinn wünsche ich uns allen ein gesegnetes Osterfest.

Abt Reinhold Dessl

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