Spirituelles – Von der Rückkehr in das eigene Herz

Hl. Bernhard (Stiftssammlungen, 20. Jh.)

Hl. Bernhard (Stiftssammlungen, 20. Jh.)

Von der Rückkehr in das eigene Herz
Abt Reinhold Dessl zum Fest des heiligen Bernhard von Clairvaux 2019

„Ihr Treulosen, kehrt ins Herz zurück. Das ist der Anfang der Rede des Herrn, und dieses Wort scheint zuerst an alle gerichtet worden zu sein, die zu ihren Herzen zurückkehren. Er ruft sie nicht nur zurück, sondern führt sie auch zurück und stellt sie ihren eigenen Augen gegenüber … Was wird nämlich durch jenen Strahl oder jenes Wort anderes bewirkt, als dass sie sich selbst erkennt? Aufgeschlagen wird das Buch des Gewissens, der jämmerliche Ablauf des Lebens neu aufgerollt, eine gar traurige Geschichte neu dargelegt, der Verstand erleuchtet und die aufgestiegene Erinnerung gleichsam den eigenen Augen vorgehalten.“ Diese Zeilen finden sich in der Predigt des hl. Bernhard „Über die Bekehrung – an die Kleriker gerichtet“.

Der erste Schritt der Bekehrung ist für Bernhard die Rückkehr in das eigene Herz, das heißt die Einkehr des Menschen bei sich selbst. „Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung“, sagen wir ja. Und von Karl Valentin kennen wir den Spruch: „Heute Abend besuch‘ ich mich, ich hoffe, ich bin zuhause.“

Der Weg zum eigenen Selbst ist nicht einfach, er ist oft zugewachsen wie ein Dschungel durch Ablenkungen, Betäubungen oder auch durch unsere Sünden. Wir müssen uns den Weg in die eigene Mitte erst wieder freimachen durch bewusste Stille, Zeit für Meditation und Gebet und Unterbrechung des Alltags. Bei all dem ist Bekehrung für Bernhard aber nicht das Werk eigener Anstrengung, sondern „Werk der göttlichen Stimme“, die uns im Wort Gottes zur Umkehr ruft. Es lohnt sich, diesen Weg zu gehen.

Aus der Ansprache von Abt Reinhold Dessl
beim Konventamt am 20. August 2019, dem Hochfest des hl. Bernhard von Clairvaux

 

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