Stift Wilhering – Erinnerungen von Pater Gerhard Winkler
Zum 85. Geburtstag von Pater Gerhard Winkler am 24. April
Erinnerungen von Pater Gerhard Winkler
Geboren am 24. April 1931 in Wilhering
Zisterzienser im Stift Wilhering
Stiftspfarrer in Wilhering
Professor am Stiftsgymnasium für Deutsch und Englisch
Universitätsprofessor für Kirchengeschichte in Regensburg und Salzburg
Auf der Website:
Oberösterreichische Zeitgeschichte – Zeitzeugenberichte
19.04.2016 cb
Der Stein ist ins Rollen gekommen
Wir wissen, was es heißt, wenn „ein Stein ins Rollen kommt“. Ostern hat gleichsam den Stein des Lebens gegen den Tod ins Rollen gebracht. Die Liebe ist stärker als der Tod. Gott hat seinen Sohn nicht im Grab gelassen, sondern auferweckt. Der Tod ist dadurch so etwas wie eine Geburt zum neuen Leben geworden, das wir auch für uns erhoffen dürfen.
Es gibt dazu eine kleine Geschichte aus dem Judentum, wo man ja bekanntlich immer noch auf das Kommen des Messias wartet. Während der Judenverfolgungen unter dem Hitler-Regime lebte ein Mann eine Zeitlang in einem Grab eines jüdischen Friedhofes in Wilna. Während dieser Zeit schrieb er Gedichte. Und eines dieser Gedichte handelte von einer Geburt; denn in einem anderen Grab ganz in seiner Nähe gebar eine junge Frau einen Sohn. Der 80-jährige Totengräber stand ihr dabei zur Seite. Als das neugeborene Kind seinen ersten Schrei ausstieß, betete der alte Mann: „Großer Gott, hast du endlich den Messias zu uns gesandt?“ – Er glaubte, nur der Messias selbst könne in einem Grab geboren werden. Drei Tage später sah der Dichter, wie das Kind die Tränen seiner Mutter trank, weil sie ihm keine Milch geben konnte. Wahrscheinlich ist dieses Kind gestorben, und der alte Mann musste wieder eine Hoffnung mehr begraben. Und dennoch hatte er Recht: Nur der Messias kann aus dem Grab kommen; denn das Grab ist normalerweise die Stätte des Todes. Und nur die Macht Gottes kann aus dem Grab Leben erstehen lassen.
„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“, sagt der Osterengel zu den Frauen am Grab. Seit Ostern sind auch die Grabsteine auf unseren Friedhöfen keine Schlusssteine mehr, sondern sie sind Hinweiszeichen und Hoffnungszeichen für ein neues Leben.
Ostern hat den Stein des Lebens gegen den Tod ist ins Rollen gebracht. Ostern hat auch den Stein des Vertrauens gegen die Angst ins Rollen gebracht. „Fürchtet euch nicht, ihr sucht Jesus den Gekreuzigten. Er ist auferstanden und lebt“, hören wir aus dem Mund des Osterengels. So wie aus dem Mund des Weihnachtsengels auf dem Feld von Bethlehem kommt auch aus dem Mund der Osterengel die Botschaft: „Fürchtet euch nicht!“
Angst und Furcht sind in unserer Zeit ein bestimmendes Thema. Vielfältige Ängste plagen uns im persönlichen Bereich. Angst, Furcht und unmenschliche Lebensbedingungen haben auch Unzählige in den letzten Monaten zur Flucht nach Europa veranlasst. Hier begegnen sie oft Menschen, die Angst und Furcht vor einer Überfremdung haben. Der Wiener Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner hat ein neues Buch veröffentlicht mit dem Titel „Entängstigt euch!“ Er bringt darin aktuelle Befragungen von Menschen zum Flüchtlingsproblem und wirbt für christliche Solidarität.
Der Stein des Lebens gegen den Tod, der Stein des Vertrauens gegen die Angst. Und einen dritten Stein, den Ostern angestoßen hat, möchte ich nennen: den Stein der Gemeinschaft gegen die Vereinzelung. Es geht noch ziemlich chaotisch zu an diesem ersten Ostermorgen, und im Grunde wird sich auch nicht viel daran ändern. Der entscheidende Punkt ist aber dabei: Der Auferstandene beginnt schon am Ostermorgen wieder sein Jünger und Jüngerinnen zu sammeln. Denn der Glaube lebt von Begegnung und Gemeinschaft miteinander und mit dem Auferstandenen.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein gesegnetes Osterfest 2016.
Abt Reinhold Dessl
cb
Seit 1. Jänner 2016 sind die Stiftsgärtnerei und die landwirtschaftlichen Flächen des Stiftes
an die Oö. Obst- und Gemüseverwertungsgenossenschaft (efko) verpachtet.
Wir blicken mit einem starken Partner in eine neue wirtschaftliche Zukunft
und freuen uns über die Zusammenarbeit.
Die Blumen aus Wilhering werden nach wie vor ein beliebtes Markenzeichen sein,
auch der Name „Stiftsgärtnerei Wilhering“ bleibt erhalten.
Abt Reinhold Dessl
Das Foto ist aufgenommen worden bei einem Besuch des Vorstands
und des Aufsichtsrats der Efko-Genossenschaft
sowie der Geschäftsführung und der Abteilungsleiter der GmbH im Stift Wilhering.
Mit im Bild: Genossenschaftsobmann Ökonomierat Walter Schiefermüller,
Abt Reinhold Dessl, Prior P. Johannes Mülleder
Oö. Obst- und Gemüseverwertungsgenossenschaft (efko) eGen
Hinzenbach 38, 4070 Eferding
Betriebsstätte: Linzer Straße 4, 4073 Wilhering
Foto: Feierstunde anlässlich der Verpachtung am 22.01.2016 mit Rückblick und Ausblick
cb
Dank an Rudolf Hagenauer aus Ottensheim für diese fantastischen Fotos
Stift Wilhering ist im Nebelmeer versunken
Stift Wilhering taucht noch einmal auf, bevor es finster wird
Stift Wilhering wieder im Nebelmeer …
cb
Weihnachtsgrüße von Abt Reinhold Dessl
Gott besucht uns in seiner barmherzigen Liebe
Weihnachten ist das Fest der Familie und der gegenseitigen Besuche.
Man freut sich über Besuche,
ist aber auch oft froh, wenn Besuche wieder vorbei sind.
Be-suchen im richtigen und tiefen Sinn des Wortes
können sich nur Menschen, die einander auch wirklich suchen und finden wollen.
Der Evangelist Lukas kündigt das Weihnachtsgeheimnis
auch als Besuch Gottes bei den Menschen an:
„Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen
das aufstrahlende Licht aus der Höhe, um allen zu leuchten,
die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes,
und unsere Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.“ (Lk 1, 78 f.)
Wenn Gott uns besucht, ist das kein virtueller Besuch,
wo man einmal im Netz kurz vorbeischaut und dann wieder weitersurft.
Wenn Gott den Menschen besucht, ist das kein bloßer Pflichtbesuch,
von dem man sich wieder verabschiedet.
Wenn Gott den Menschen besucht, ist das nichts Äußeres und Oberflächliches.
Wenn die barmherzige Liebe Gottes den Menschen besucht,
dann ist das etwas Bleibendes und Ganzheitliches.
In dem Menschen Jesus von Nazareth ist er wirklich
in die Geschichte der Menschen eingetreten,
hat sich angreifbar und verletzlich gemacht
von der Krippe hin bis zum Kreuz.
Gott hat sich nicht wieder vom Menschen verabschiedet,
sondern seit Weihnachten leuchtet in jedem Menschen gleichsam eine göttliche Spur auf,
besonders in den Notleidenden und Hilfesuchenden.
Die Barmherzigkeit Gottes drängt uns,
barmherziger zueinander und auch zu uns selbst zu sein.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen
ein gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest
und Gottes Segen für das neue Jahr 2016,
das heilige Jahr der göttlichen Barmherzigkeit.
Abt Reinhold Dessl
Christmette in der Heiligen Nacht um 23 Uhr in der Stiftskirche
Pontifikalamt am Christtag um 10 Uhr in der Stiftskirche
Weihnachtskrippe in der Stiftskirche
23.12.2015 cb






